Der Münster-Marathon – ein persönliches Highlight!

Beim diesjährigen Münster-Marathon am 14. Semptember 2014 war ich (Achim Aretz) Teil einer Premiere. Erstmals gingen mit Markus Jürgens und mir zwei Rückwärtsläufer an den Start! (Der Bericht von Markus findet sich hier) Wir einigten uns mit dem Veranstalter darauf, dass Markus, frisch gebackener Weltmeister im Halbmarathon rückwärts in 1:50 Stunden, die erste Hälfte laufen und danach auf mich übergeben würde. Nach der Weltmeisterschaft Anfang August in Italien sollte der Münster-Marathon mit 100.000 Zuschauern an der Strecke das nächste ganz große Highlight werden!

Zunächst war jedoch unklar, ob es wirklich dazu kommen sollte. Markus verletzte sich am Fuß und musste zwei Wochen komplett auf Sport verzichten – und es wurde nicht besser. Auf einer großen Feier zum 11.111. Lebenstag von Achim und seinem Zwillingsbruder Bodo in Essen erreichte Markus den Hauptbahnhof zu Fuß nur unter großen Schmerzen. Ungeachtet dessen bereitete sich Achim mit anstrengenden Dauerläufen (18 und 20 km) und Tempoläufen (3 x 2000 m in 8:30 min) auf den Münster-Marathon vor. Die größte Motivation war für ihn die Vorfreude.

Für beide von uns ist der Münster-Marathon so etwas wie ein Heimspiel. Während ich seine 6 Studentenjahre in Münster verbrachte und für seine Promotion wegzog, kommt Markus sogar ursprünglich aus dem Münsterland und wohnt und promoviert heute in Münster.

Wegen unserer Herkunft wurden die ortsansässigen Medien schnell auf uns aufmerksam. Verschiedene Zeitungen und Radiosender berichteten im Vorfeld von der Schlacht an der Aa. Zum Marathon erschienen der WDR und Sport1. Markus und ich wurden zur abschließenden Pressekonferenz eingeladen, die zwei Tage vor dem Lauf stattfand. Neben uns waren nur afrikanische Läufer und Läuferinnen da. Hier deutete Markus an, dass er nicht vorhabe, nach der Halbmarathonmarke auszusteigen.

Am Start des Marathons traf sich Markus mit einem Ultraläufer aus seinem Verein, der angeboten hatte, ihn auf seinem Vorhaben zu begleiten. Vor allen Dingen auf den ersten 10 Kilometern schlängelt sich die Strecke kurvenreich und auf engen Straßen durch die Münsteraner Innenstadt. Aber Markus machte einen sehr guten Eindruck. Nach 10 km zeigte die Uhr 51:24 Minuten an!

Ebenfalls auf den folgenden Kilometern machte sich das Training von vor der Weltmeisterschaft bemerkbar. Ohne Probleme lief er weiterhin sehr stark und erreichte die Halbmarathonmarke nach 1:49:49 Stunden – und unterbot damit seine Weltmeisterzeit!

Dann ging es für mich los! Mein Bruder Bodo hatte sich kurzfristig bereit erklärt, den Hasen für den alten Rückwärtslaufhasen zu spielen. Auf den ersten Dutzenden Metern liefen wir an der zweiten Staffelübergabezone vorbei. Das Rückwärtslaufen machte schon jetzt so viel Spaß und ich musste mich bremsen, nicht zu schnell anzugehen. Auf den ersten Kilometern lief es so locker, dass ich die Geschwindigkeit von 5:00 auf 4:40 Minuten pro Kilometer erhöhte.

Somit überholten Bodo und ich etliche Vorwärtsläufer. Vor zurückfallenden Vorwärtsläufern und weiteren Hindernissen warnte Eric auf dem Rad am Wegesrand gewohnt zuverlässig. Das Laufen war so befreiend und schön, dass ich in diesem Tempo immer weiter laufen wollte. Die Reaktionen der anderen Läufer waren sehr positiv. Vielen zollten Respekt, dabei sind sie ja schon einen Halbmarathon länger unterwegs gewesen! Und die Zuschauer waren aus dem Häuschen und schienen nur auf den Retrorunner zu warten. „Kinder, schaut, da kommt er!“

Nach 30 km zeigte die Uhr 2:33:23 Stunden. Es ging die Roxeler Straße zurück in Richtung Zentrum und erstmals spürte ich die Belastung stärker als die pure Euphorie. Es wurde härter. Hatte ich mich übernommen und bin zu schnell angegangen? Der Abstand zwischen den Kilometerschildern vergrößerte sich. Ich wurde langsamer. Schon bald schlichen sich Kilometer von über 5 Minuten ein. Danke Bodo und Eric für eure wertvollen Hinweise!

Die Kilometer zwischen 35 und 38 waren dann purer Kampf. Meine Waden wurden immer schwerer. Eine Reaktion auf Zurufe von Zuschauern war leider nicht mehr möglich. Ich dachte nur noch von Kilometer zu Kilometer. Der langsamste Kilometer war nun in 5:20 Minuten.

Bei Kilometer 40 dann übertrumpfte nun die Vorfreude auf das Ziel wieder die körperliche Anstrengung. Die Zuschauer am Rand und altbekannte Gesichter machten noch einmal richtig Stimmung und feuerten an! Auf dem letzten Kilometer ging es dann unter ohrenbetäubenden Zurufen in Richtung Prinzipalmarkt. Herrschte vor 2 Jahren am Tag des Marathons noch eine unzumutbare Hitze, fiel der letzte Marathon ins Wasser. Die angenehmen Temperaturen in diesem Jahr ließen die Zuschauer in Strömen auf den Prinzipalmarkt strömen und wie ein Erdbeben erzittern. Die Stimmung war bombastisch!

Nach 3:34:54 Stunden erreichte ich das Ziel. Mit Platz 409 landeten Markus und ich somit im ersten Viertel der Männer! Die zweite Hälfte bin ich in 1:45:05 Stunden gelaufen.

Und Markus? Er vollbrachte es! Er lief den ganzen Marathon in finishte nach 4:10 Stunden! Im Training ist er nie länger als 21 Kilometer gelaufen. Eine unfassbare Leistung! Herzlichen Glückwunsch noch einmal von mir! Damit hat er eine der Top10-Zeiten der schnellsten jemals gelaufenen Marathons rückwärts inne. Wann wird er meinen Weltrekord angreifen?